Im Naturreservat Vendicari, südlich von Syrakus, nahe Avola

https://www.italien-erleben.ch/events/siziliens-osten-entdecken-7-17-mai-2026/

Mai 26 – Siziliens Osten  – die Landschaften – die Früchte der Erde!

Unsere Reise im Mai 2026 führt zunächst nach Syrakus. Das ist das Kernland der Griechen, die vor 2700 Jahren ihre Inseln
verliessen und begannen, die Küsten von Siziliens Osten zu besiedeln. Vielerlei zog die Griechen damals an: Da boten sich geeignete
natürliche Häfen (wie in Syrakus die günstig in einem geschützten Hafenrund gelegene Insel Ortygia). Die Ebenen und Hügel sind
reichlich mit Wasser gesegnet und verleihen der Erde enorme Fruchtbarkeit. Das hügelige Hinterland der Monti Iblei gewährte den
Küstenstädten gute Verteidigungsmöglichkeit gegen die ins Landesinnere verdrängten Sikuler.

Diese Monti Iblei, westlich und südlich von Syrakus, bilden den südlichsten Zipfel Siziliens und gehören geologisch zur afrikanischen
Kontinentalplatte; der allersüdlichste Punkt, der Capo Passero, liegt südlicher als Tunis!
Die höchsten dieser Monti Iblei erreichen eine Höhe von fast 1000 m und sind stark zerklüftet: Ihre Flüsse (Anapo, Cassibile, Tellaro
und viele weitere) durchfurchen die karstigen Kalkböden und hinterlassen imposante Schluchten mit reizvollen kleinen Flussbecken
und Seen (Bsp. Pantalica, Cavagrande del Cassibile). Hier finden sich Spuren menschlicher Siedlungen bereits aus der Frühzeit: über
5000 Felsengräber bei Pantalica stammen aus der frühen Bronzezeit.

Siziliens Osten – Blick in die „gola“ des Flusses Anapo, Pantalica

Siziliens Osten – Hinten in der Schlucht von Pantalica – idyllisches Badebecken

http://www.pantalica.org

Die ebene und hügelige Küstenzone nördlich und südlich von Syrakus ist voller Oliven-, Zitrus- und Pfirsichhaine.
Weiter südlich um die Mandelhauptstadt Avola gedeiht eine besonders köstliche Mandelsorte, die Pizzuta.

http://www.latrusciatipicosiciliano.com

Siziliens Osten – im Naturreservat von Vendicari

http://www.vendicari.net

Südlich von Avola lädt das Naturreservat Vendicari zum Spazieren ein mit seinen Sümpfen, den seltenen Pflanzen und Reptilien.
Es ist ausserdem ein Paradies für Tausende von Zugvögeln (wie Flamingos, Störche, Kormorane). Die weiter südlich angrenzende
Landzunge um die Stadt Pachino, gegen den Capo Passero, bietet den Reichtum des «Roten Goldes» («oro rosso di Pachino»):
Die kleinen Ciliegini-Tomaten, die hier auf grossen Flächen angebaut und verarbeitet werden.

Fahren wir im Uhrzeigersinn weiter gegen Nordwesten, treffen wir im Süden von Ragusa auf ein weiteres Tomatenparadies.
Die Provinz Ragusa ist ausgebreitet auf den gegen Süden sanft abfallenden Hügeln der Monti Iblei. Wir staunen über die weiten
Felder, Weiden und Olivenhaine, allesamt durch endlose Steinmäuerchen abgegrenzt, was dieser Landschaft das charakteristische
Gepräge verleiht.

Wir sind hier im Land der Milchprodukte, von hier kommt der berühmte Cacciocavallo. Es ist aber auch das Land der Oliven, und die Talebene von Comiso und Vittoria westlich von Ragusa ist ein wahres Gemüse- und Weinparadies. Hier wird aus der Nero d’Avola- und Frappato-Traube der DOCG-Wein Cerasuolo di Vittoria gekeltert.

 

 

Wir  fahren weiter gegen Norden ins Landesinnere, in die Provinz von Enna: die einzige Provinz Siziliens ohne Meeranstoss.
Ihr Landschaftscharakter hebt sich deutlich von den Küstenlandschaften ab: kahle Hügelweiten, ansteigend bis zu Siziliens höchst
gelegener Provinzhauptstadt Enna auf fast 1000 m. Die Landschaft gelb-ocker-braun, ausgedörrt, ausser beim Grünen der endlosen
Weizenfelder im Frühling. Die zur Zeit der Römer abgeholzten dichten Wälder wurden in jüngster Zeit nur fleckenweise wieder
aufgeforstet. Lediglich in der Gegend von Piazza Armerina finden wir intensiveres Waldgrün.

Siziliens Osten – Rundblick von Enna aus

Siziliens Osten – Calascibetta mit Normannen-Kastell – von Enna aus gesehen

Sizliens Osten – auf der Fahrt von Enna nach Piazza Armerina

Das Landesinnere, rund um Enna, wirkt verlassen; man stösst nach langen Wegen auf einzelne Bauerngüter (Masserie).
Die Früchte der Erde? Weizen, Weizen, hie und da ein bisschen Oliven. Ende 19./ Anfang  20. Jahrhundert bot eine
weitere «Erdfrucht» der mausarmen Landbevölkerung Arbeit und den Eignern grossen Reichtum: die Schwefelgruben.
Unter elenden, gesundheitsschädigenden Bedingungen förderten in Fronarbeit gerade auch Kinder den Schwefel zu
Tage. In der Landschaft blieben kaum begrünte Grubennarben zurück.

 

Nell’area del Monte Etna

Nun wenden wir uns wieder gegen Osten und kommen in den Umkreis des alles beherrschenden Aetna. Mit seinen rund 3330 m
– höchster aktiver Vulkan Europas – ist er von allen Seiten zu sehen: mächtige Pyramide, im Winter mit Schneekappe auf dem Gipfel,
meist entweicht ihm wie eine winkende Fahne eine Dampfwolke oder gerade wieder einmal ein rotes Feuerwerk. Die Lavaströme
der über Jahrtausende immer wiederkehrenden Eruptionen sind an den Hängen überall zu sehen und haben der Erde eine enorme
mineralische Fruchtbarkeit beschert.

«A Muntagna» – «Mungibeddu»
Siziliens Osten – der Aetna bei Castiglione di Sicilia

An den Berghängen treffen wir in der Höhe der Baumgrenze auf vereinzelte niedere Büsche, intensiv farbige Blumen und Bäume. Auf einer weiteren, etwas tieferen Ebene werden die Sträucher dichter, im Frühling leuchtet Ginstergelb. Noch weiter unten säumen weite Buchen-,Eichen-, Kastanien-, Fichten- und Birkenwälder den mittleren Berggürtel. Bis über1000 m gedeiht an der Ost-Nordostflanke in der Höhe auf zum Teil winzigen Parzellen der Wein- und Obstbau. Im kühleren Norden treffen wir auf
Haselnuss-Plantagen.

 

 

 

 

Siziliens Osten – Farbenpracht an den  Hängen des Etna, im Juni 24

 

Siziliens Osten – einzigartig liegt auf
der trockenen Westseite das ausgedehnte
Anbaugebiet der hochgeschätzten Pistazien von
Bronte

http://www.pisti.it

 

 

Die Ostflanke des Vulkans, der Küste entlang vom Mündungsgebiet des Alcantara bei Naxos bis ans südliche
Ende der grossen Catania-Ebene, ist das Land der Zitrusfrüchte: Hier leuchten aus dem dichten Blättergrün
die gelben Zitronen, die Orangen und Mandarinen zusammen mit ihren weissen Blüten. Zudem ist hier auch
der Wein allgegenwärtig.

http://www.agrisicilia.eu

 

 

Siziliens Osten – die Küste mit den „Zyklopenfelsen“ bei Aci Trezza

Im Norden Catanias, der schwarzen Lavaküste entlang, ist die Landschaft geprägt von Klippen und kleinen schwarzen und kantigen
Inseln: die Zyklopenküste, so genannt nach der griechischen Sage von Odysseus, der vom Riesen Polyphem mit diesen Felsbrocken
beworfen wurde. Auch hier im nördlichen Teil der ionischen Küste fliessen zahlreiche Flüsse meerwärts: im Süden Catanias der Simeto,
längster Fluss Siziliens. Spektakulär bei Naxos der Alcantara: er entspringt den Nebrodi-Bergen, umfliesst im Norden des Aetna das
Städtchen Randazzo und strebt dann südostwärts. Vor seiner Mündung ins Meer durchbricht er eine enge Basaltschlucht. Die bizarre
Struktur der Basaltfelsen ist Folge eines Vulkanausbruchs.

Siziliens Osten – Blick ind den Flusslauf und die
malerische Schlucht des Flusses Alcantara

https://sizilien.viva-italia.it/Naturparks/Alcantara.php#google_vignette

Die Weinberge an den Ausläufern des Aetna: Wir fahren nun nochmals dem Alcantara entlang hinauf zum Hochtal,
das sich zwischen Castiglione di Sicilia und Randazzo ausbreitet: Eine prächtige Landschaft, in der Mitte das grüne
Flusstal, umgeben im Nordosten von den Monti Peloritani, im Süden vom Aetna. Ein Weinparadies auf vulkanischem
Terroir: Im Tal die grossflächigen gepflegten, geometrisch gegliederten Weinfelder, gegen die Höhe des Aetna (bis über
1000 m) die zunehmend winzigen Weinparzellen, eingebettet zwischen den erstarrten alten Lavaströmen früherer Jahre.

Siziliens Osten: Blick vom Weinberg nach Osten, zu den Monti Peloritani – und dann der Blick
über und in die Reb-Landschaften am Aetna

 

Siziliens Osten – Das Spezial zum Wein am Aetna:

Bereits 1968 gelangten die Aetna-Weine, als erste in Sizilien, zum DOC-Status, also zur geschützten Herkunftsbezeichnung.
Allerdings huldigten schon die Sikuler, später erst recht die Griechen dem Weingott Dionysos. Was macht diese Weine so
besonders? Es ist die vulkanische Mineralität dieses Terroirs aus verwitterter Lava, Asche und Sand, das reich an
Magnesium, Eisen, Kupfer und Phosphor ist. Dies verleiht den Weinen auch ihre besondere erdige Würzigkeit. Sie haben
Charakter, sind voll, harmonisch, sehr warm, mit knackiger Säure. Die kühlen Höhen des Aetna lassen die Weine langsamer
reifen und unterstützen ihre besondere Qualität.

Die einheimischen Rebsorten des Aetna wurden angeblich schon in der Jungsteinzeit, sicher aber vor der griechischen
Kolonisierung von Sizilien vom 8. Jh, v.Chr. angebaut. Ganz zuvorderst sind es der rote Nerello Mascalese, in geringerem
Umfang der Nerello Cappuccio. Sie werden als Etna Rosso DOC in der Mischung von mindestens 80% Nerello M. zu maximal
20% Nerello C. vinifiziert. Erlaubt ist die Ergänzung mit maximal 10% anderer Sorten wie Nero d’Avola.
Carricante ist die hauptsächlich angebaute weisse Rebsorte; verbreitet ist ebenfalls der Catarratto. Beide werden oft
zusammen zu Cuvées gemischt. Seltener findet man auch die ebenfalls einheimische Minella und auch Trebbiano-Varianten.
Diese Weissen zeichnen sich ebenfalls durch eine hohe Mineralität aus, sie sind frisch und harmonisch.
Wir werden bei der Azienda Cottanera diese Weine degustieren. Salute!

Text: Christoph Ruef  – Bilder: Beatrice Ruef

                                      http://www.cottanera.it                                                            .