“Und wenn es regnet in Neapel…”

1. – 9. November 2019
“Das Gold von Neapel”, Motto der Reise, von der wir eben zurück sind.
Es gibt einen Film mit dem Titel “A Napoli non piove mai”…

für einmal ist es anders, denn diesmal präsentiert sich Neapels “Gold” im prasselnden Regen, Tag um Tag. Gerade dieser Regen jedoch
macht unsere Reise besonders intim, wertvoll und unvergesslich.

Freitag 8.11.

Es ist Freitag, unser letzter Ferientag in Neapel. Wir sind im Palazzo Donna Anna, am Fusse des Posillipo, über dem Meer.
Von hier aus können wir besonders gut beobachten, wie das Wetter sich über dem weiten Golf von Neapel entwickelt.  Cosimo Fanzago
baute einst diesen Palazzo auf einem Felsen über dem Meer, wo die Barken mit den Gästen her kamen, wörtlich in die Höhle unter den Ballsaal glitten
und die Treppe hoch schritten, wo die Vizekönigin Anna Carafa sie stolz erwartete.

Wir überblicken von diesem Saal und der vorstehenden Terrasse aus den ganzen Golf und sehen uns das Wetter – Spektakel an.

Freitag und Samstag 1./2. 11., zum Anfang die Fülle…

Am 1. und 2. November ist das Zentrum von Neapel so dicht gedrängt voll von Menschen, dass wir über weite Strecken nur in kleinen Schritten gehen können. Ist das eine Herausforderung für alle! Glücklicherweise servieren uns abends die Kellner der Locanda Ntretella ein Nachtessen ganz nach unseren Wünschen.

Das Wetter am 3. November? Was hören wir? Die Prognosen versprechen Gewitter und heftigen Regen. Wir wollen die Reggia (den Königspalast) in Portici besuchen, danach eine der Villen am Miglio d’oro, später dann die Ausgrabungen der 79 n.Ch. verschütteten Stadt Ercolano…geht das?

Sonntag 3.11.

Wie sich Gewitter und Regen mit unserem Programm kombinieren ist genial: während den heftigsten Regengüssen sind wir beim Mittagessen nachdem wir die elegante Villa Campolieto besucht haben.

Unter einer dicken Schicht von Lava und Erde finden wir, mit Helm und Taschenlampe bewehrt, über Treppen und durch einen Tunnel zu Teilen des immer noch verschütteten römischen Theaters. Das ist besonders interessant, weil genau so, über Tunnels, Mitte 1700, Ercolano ausgegraben wurde, in geduldiger Arbeit. Nach dem gemütlichen Mittagessen bei galanten Jungunernehmern besuchen wir Ercolano, mit dem Regenschirm in der Hand. Es gibt genügend Schutz in überdachten Räumen.

Ercolano ist shchön, klein, überschaubar, und es gibt gute Information über das Leben 79 v.CHr.

Nachts gehn wir ans Meer.

Montag 4.11.

Wow – es ist Montag, der Himmel ist gerade klar. Tüchtig steigen wir zu Fuss über die Rampa Petraio auf den Vomero. Von hier aus wollen wir uns endlich Übersicht verschaffen über die Stadt Neapel, den Golf und die Lage der Inseln. Gegen Mittag wird es kalt.

Wir fahren mit der funicolare zurück zur Station Montesanto, damit wir über den farbenfrohen Markt in der “Pignasecca”  ins historische Zentrum spazieren können. Im Vico Pazzariello wartet Pina auf uns mit dem Mittagessen. Zuvor spielt Angelo uns eine typische Szene des Pazzariello vor. Pazzariello war früher eine wichtige Volks-Figur in der Region. Er war teils Herold, Ausrufer, Musikant und unterhielt jeweils das Volk mit spontanen Versen, Liedern und derben Spässen.

Nach ersten Versuchen im Tanz der  Tarantella gehen wir zur Santa Fede Liberata. Santa Fede Liberata ist ein alter Palast der heute als Kulturzentrum und Bühne für Kreative dient. Zudem ist hier ein Zufluchtsort für Obdachlose und so ausgestattet, dass diese hier Essen erhalten und die Möglichkeit auszuruhen. Jede Woche schaut ein Arzt vorbei, damit ist die medizinische Versorgung garantiert.

Es regnet, und diesmal führt unsere nicht ermüdende Abenteuerlust zu einem kleinen  lustigen Imbiss ans Meer, zum Castel dell’Ovo, nachts.

Dienstag 5.11.

Dienstag, es regnet in  Strömen.  Rudi Hachfeld führt uns zu den Marmormeistern. In ihrer Tuffsteingrotte mit der hoher Decke stellen sie alle möglichen Kunstwerke aus farbigen Steinen und aus Marmor her. Da sie Meister ihres Faches sind, restaurieren sie alle möglichen Steinarbeiten, insbesondere die Intarsien aus farbigen Steinen an Altären, Säulen und Böden in Kirchen wie Gesù Nuovo oder San Martino.

Wir steigen ab ins Volksquartier Sanità per Lift. Dieser startet auf der Brücke, mit der einst Napoleons Vertreter  das unten liegende Quartier überquerten. Sie einfach wollten bequem zu ihrem Schloss auf Capodimonte gelangen in ihren schicken Kutschen, was da unten geschah war ihnen egal.

In der Sanità wurde der berühmte Schauspieler Totò geboren, hier wird er täglich erinnert.

Nach der neapoitanischen Pizza bei OLIVA führt Rudi uns, klitschnass vom Regen, zu seinen Musikern, den “liutari”.  Wir sehen Mandolinen, ein Mandocello, Celli und traumhaft schöne Geigen: “traumhaft schön” sind die fein gemaserten lackierten Hölzer der Rückseiten.

Wir möchten hören, wie die Instrumente klingen. Damit beginnt wohl der schönste Teil des Tages: die drei Herren spielen und singen für uns italienische und neapolitanische Lieder. Wer mag singt mit.

Da war viel Wasser heute, und wahres “Gold” in Neapel.

Mittwoch 6.11.

 

Es regnet weiter – wir verschieben die Fahrt übers Meer nach Procida auf Donnerstag. Wirds besser morgen? Alle sind etwas müde. Nach dem intensiven Programm der ersten vier Tage nehmen wir es gemütlich. Innenräume gibt es genug: Endlich haben wir Zeit für die Galleria Umberto I und das Mosaik von William Kentridge in der Metro – Station Toledo. O Wunder, im Museo Archeologico finden wir das Original zu zwei Figuren, die wir auf  auf dem Mosaik von Kentridge wieder finden.

Paola kocht für uns ein typisch neapoltanisches Nachtessen. Wir geniessen in ihrer Küche das Zusammensein an der grossen tavolata, mit ihrer Familie.

Donnerstag 7.11.

 

Vom molo Beverello fährt der Aliscafo. Die Sonne scheint! Wir fahren zur Insel und erleben einen fantastischen Tag mit allem, was Procida zu bieten hat. Sogar das blitzklare Meer ist noch warm  zum Baden, hätten wir doch unsere Badeanzüge dabei! Zum Trost bringt uns der Taxifahrer zu den versteckte Panoramaplätzen der Insel. Das Mittagessen im ristorante Gorgonia in Marina di Corricella empfehlen wir wärmstens, halten Sie sich an die Gerichte mit Fisch und Meersesfrüchten – so fein!

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus einer unglaublich reichen Neapel – Woche, bei ausgiebig Regen.
Was wir dabei entdeckt haben: Napel ist eine Wucht, bei jedem Wetter.

Bei persönlicher  Anfrage geben wir gerne Tipps und Adressen weiter

Beatrice Ruef 15/11/19

2019-12-13T14:50:33+02:00

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